Workshop zum Umgang mit ausländerfeindlichem Verhalten

Dieser Artikel zum Workshop erschien am 05.11.2021 im Wiesbadener Kurier.

Ein Thema, das häufig ignoriert wird

Welche Strategien gegen ausländerfeindliches Verhalten ein Workshop an den Beruflichen Schulen Untertaunus entwickelt

 

Von Hendrik Jung

HAHN. Nur ausgesprochen ungern beendet Workshop-Leiter Vatan Akyüz die lebhafte Diskussion unter den Schülern der 11. Klasse der Fachoberschule Wirtschaft und Verwaltung. Doch die Doppelstunde an den Beruflichen Schulen Untertaunus, die dem Projekt „Mission: wir alle“ der Philipp-Kraft-Stiftung aus Eltville gewidmet ist, ist leider schon beendet. Darin haben die Schüler unter anderem eine Mindmap zum Thema Rassismus erarbeitet. Außerdem haben sie Berichte von jungen Erwachsenen kennengelernt, die in Deutschland geboren sind, aber dennoch Rassismus erfahren.

Ein Fall betrifft die E-Mail, mit der ein Unternehmer die Bewerbung des 19-jährigen Khan ablehnt. „Des Weiteren ist die Mitarbeit in unserem Unternehmen als praktizierender Moslem unerwünscht. Der Islam ist nicht mit der Verfassung der BRD in Einklang zu bringen“, schreibt er. Ein Fall, der im vergangenen Jahr bundesweit hohe Wellen geschlagen hat. „Man sollte nur die Qualität einer Arbeit bewerten, dafür kann man was“, betont ein Schüler. Der Workshop-Leiter möchte wissen, ob die Schüler glauben, dass der Unternehmer eine solche E-Mail überhaupt schreiben darf. „Nein, das darf er nicht. Man kann ihn anzeigen und er erhält vielleicht eine Geldstrafe“, glaubt die 18-jährige Irina.

Häufig Fälle für die Polizei

Welche Strafe dem Mann drohen würde, weiß Akyüz zwar nicht. „Aber man kann ihn auf jeden Fall anzeigen und man sollte das auch tun, damit die Leute merken, dass das strafbar ist“, verdeutlicht der Soziologe und verweist auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das gemeinhin als Antidiskriminierungsgesetz bezeichnet wird.

Bei einem Fall aus der Klasse selbst gehen die Meinungen dann auseinander. „Ihr Scheiß Ausländer, wann sterbt Ihr alle“, habe sich die Tochter eines Iraners und eines Deutschen kürzlich anhören müssen. Den Mann, der sie so unvermittelt beleidigt habe, habe sie einfach stehen lassen, weil sie in diesem Moment nichts zu erwidern gewusst habe. Eine Mitschülerin bedauert dies. „Die müssen einfach mal zu hören bekommen, dass sie nicht sagen können, was sie wollen“, findet eine Mitschülerin. Das sehen nicht alle so. „So eine Person muss man einfach ignorieren. Man weiß nie, wozu solch ein Mensch fähig ist“, argumentiert etwa die 17-jährige Agnesa.

Der Workshop-Leiter gibt ihr zwar recht, dass die Meinung eines solchen Menschen wahrscheinlich verfestigt ist. Aber er ermutigt die Klasse, in einer solchen Situation deutlich zu machen, dass das eigentlich ein Fall für die Polizei ist. „Rassistische Beleidigung ist eine Straftat“, betont Akyüz.

„Als ich von dem Workshop gehört habe, war ich gleich richtig motiviert. Ich beschäftige mich auch privat mit dem Thema“, erläutert die 16-jährige Sila. Auch wenn die Deutsche mit türkischen Wurzeln selbst kaum von Rassismus betroffen ist. „Das ist so ein wichtiges Thema, wieso wird das so selten aufgegriffen?“, bedauert Agnesa. Im Praktikum habe sie gerade erlebt, wie eine Fachfrau von einem Kunden wegen ihres Akzents abgelehnt worden sei. „Man hört oft: Hör nicht hin, ignoriere es“, berichtet Irina. Während sie für härtere Strafen gegen rassistische Beleidigungen plädiert, würde Sila sich wünschen, dass bereits im Kindesalter mehr dagegen unternommen werde. „Es ist traurig, dass man darüber nachdenken muss, wie man reagieren sollte“, bedauert die 17-jährige Melike. Gut sei aber, dass es im Rahmen des Workshops gemacht werde.

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